Malerweg mit Hunden – 5. Etappe

 

Malerweg mit Hunden 5. Etappe – die ungeschönte Wahrheit

Ich muß jetzt wirklich mal jammern. Der Malerweg ist nämlich gar nicht so gutschi gutschi, wie er immer tut. Er kann sogar ziemlich gemein sein.

Normalerweise bin ich beim Laufen oder Wandern mit meinen Hunden voll in meinem Element. Ich schaue mir die Natur an, setze einen Fuß vor den anderen, atme und genieße die Freiheit und mein Leben. Die 5. Etappe aber hat mich an meine Grenzen gebracht, war sehr böse und gemein.

Achtung!! Beabsichtigst du den Malerweg, insbesondere die 5. Etappe, in nächster Zeit zu laufen und steckst du noch voller Vorfreude, dann lies blos nicht weiter, bzw. steige erst wieder bei dem Teil ein, wo wir in Schmilka einmarschieren.

Die scheinbar harmlose 5. Etappe

Körpercheck lässt nichts Gutes ahnen

Wir starten unsere Tour von der beschaulichen Neumanmühle. Es geht direkt steil bergauf. Und wie. Es scheint kein Ende zu nehmen. Beim morgentlichen Körpercheck meldet sich mein linkes Knie. Kein Problem, denke ich. Wir kennen uns. Wir kommen klar. Dann kommt aber stechend schmerzend auch mein rechtes Knie ins Spiel. Huuch – du bist auch da?? Das geht aber nicht. Wie soll ich denn mein linkes Knie entlasten, wenn das rechte Knie jetzt auch Ansprüche erhebt? Ihr müßt euch besser absprechen. Ich bin überfordert. Und als wäre das noch nicht genug, meint meine Hüfte auch noch mit in die Diskussion einsteigen zu müssen. Hüfte!!?? Hallo?!? Was machst du denn hier? Ich hab dich erst in 20-30 Jahren erwartet. Hau ab – du bist noch gar nicht dran! Hüfte, pfüühh!! Das ist etwas für alte Menschen (ich entschuldige mich hier schon mal bei allen hüftgeplagten, älteren Menschen). Aber ICH bin doch grad mal 45, stehe in der Blüte meines Lebens und bin fit wie ein Turnschuh. Das kann doch alles nicht sein.

Ich werd bekloppt und hadere mit meinem Körper

Vom Pohlshorn zum Zeughaus

Endlich am Pohlshorn angekommen, lecken wir unsere Wunden, erholen uns kurz von den Strapazen und tränken uns und die Hunde. Wow, das war echt krass. Das nächste Stück bis zum Zeughaus führt uns halbwegs auf grader Strecke zum nächsten Pausenziel. Am Zeughaus rasten wir, gönnen uns ein Kaltgetränk und lassen unsere Stempelkarte abstempeln. Noch nie war ein Stempel so wertvoll wie heute.

Pause am Zeughaus

Doch die nächste Anstrengung lässt nicht lange auf sich warten. Unser nächstes Ziel ist die zweithöchste Erhebung der Sächsischen Schweiz.

Der große Winterberg in 556m Höhe

An die Landschaft kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Bestimmt war sie wunderschön. Jack hilft mir wo er nur kann und zieht mich, jammerndes Etwas, tapfer den Hügel rauf. Diese Etappe zeigt mir deutlich meine Grenzen, erdet mich und bringt mich hart und brutal auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich werde alt. Mein Körper zeigt erste Verschleißerscheinungen. Gedanklich bestelle ich mir schon mal einen Rollator, male ihn bunt an und verziere ihn mit Plastikblumen, lustigen Fähnchen und einer übergroßen Fahrradklingel. In diesem Moment, so scheint es, war die Entscheidung den Malerweg zu laufen, das Dümmste, was mir jemals eingefallen ist. Und hier wäre diese traurige Geschichte normalerweise zu Ende, wenn da nicht noch Schmilka wäre. Schmilka hat verhindert, dass ich diesen Tag und diese Etappe komplett aus meinem Leben gestrichen habe.

Es gibt ein Licht ganz am Ende des Tunnels – Schmilka

Trotz der Anstrengung, fühlt sich diese Etappe im Endeffekt kürzer an als alle anderen. Kurz vor Schmilka können wir es noch gar nicht fassen, dass wir unser Ziel bereits erreicht haben. Aber der eigentliche Höhepunkt liegt noch vor uns. Bereits beim einmarschieren finde ich diesen Ort entzückend. Dann entdecken wir eine Bio-Bierbrauerei, einen Bio-Bäcker, Bio-Eis, einen Bio-Biergarten…… Wir sind im Bio-Himmel. Ein ganzes Dorf is(s)t bio. Grandios. Wir laufen zur Elbe und zum Bio-Hotel Helvetia und holen unseren Schlüssel für unsere Unterkunft ab. Wegen der Hunde sind wir im Dorfkern, genauer gesagt im Forsthaus untergebracht in unmittelbarere Nähe dieses entzückenden Bio Biergartens.

Blick auf den bezaubernden Biergarten in Schmilka

Wir essen jeder ein Wagenrad großes Stück Kuchen und geniessen das tolle Ambiente. Eine super tolle Sauna steht uns auch zur Verfügung, welche Katja dankend nutzt und sehr begeistert ist. Dieser Ort ist Erholung pur und lässt uns die vorangegangenen Strapazen zwar nicht vergessen, aber erträglicher machen.

Hedda hat fertig nach dieser Tour

VORSICHT – die nachfolgenden Bilder könnten verstörend auf dich wirken

Die ungeschönte Wahrheit – das hat die 5. Etappe mit uns gemacht

Fazit:

Auch wenn ich diese Etappe gerne aus meinen Leben streichen würde, Schmilka werde ich auf jeden Fall noch mal besuchen. Katja, die wegen der 800 Stufen der 3. Etappe (s. Bericht), fast einen Nervenzusammenbruch erlitten hätte, fand diese Etappe übrigens nicht soo schlimm. Ist klar…

 

Unterkunft:

Diese Unterkunft lebt von Ihrem Dorf. Das Zimmer im Forsthaus, welches wir über das stylische Bio Hotel Helvetia gebucht haben, ist einfach, rustikal ausgestattet aber für unsere Zwecke vollkommen ok. Das Essen in und um Schmilka ist der Hammer. Wir reden heute noch von dem genialen Frühstückstbuffet. Alles bio und/oder vegan und super lecker. Ein echter Wohlfühlort zum entspannen. Die hauseigene Sauna hat Katja´s Praxistest ebenfalls mit bravour bestanden.

Anforderungen:

Wie sollte es auch anders sein. Diese Tour wird von allen Seiten als anspruchsvoll/schwer und von mir zusätzlich noch als listig und hinterhältig bewertet. Mit grade mal 13,6 km wirkt sie auf den ersten Blick harmlos. Haut dafür aber voll rein und zeig dir mit einer schonungslosen Ehrlichkeit, wo du körperlich stehst.

Highlights:

Schmilka, Schmilka, Schmilka. Wäre ich ein Ort, wäre ich gerne Schmilka. Eine Oase des netten, fairen, friedlichen und genussvollen Lifestyle’s, direkt an der Elbe. Bei meinem nächsten Besuch werde ich dort auch Yogakurse besuchen und eine Kräuterführung mitmachen. Schmilka hat übrigens auch eine eigene Facebook Seite.

Hunde:

Auch für die Hunde war diese Tour anstrengend, wenn auch nicht ansatzweise so doll wie für mich. Ausser in der Kirnitzsch, gab es kaum Abkühlungsmöglichkeiten. In Schmilka kann man prima am Elbufer mit den Hunden spazieren gehen. Doch seien wir mal ehrlich. Wer will nach so einem Tag noch spazieren gehen?

Tipp:

Ausreichend Franzbranntwein zum einreiben, Bandagen für Knie + Hüfte. Auch Laufstöcke wären hier empfehlenswert. Eine große Portion Humor ist zudem enorm hilfreich.

Kosten:

Insgesamt Euro 107,00 für die Übernachtung im Forsthaus (Hotel Helvetia), für zwei Personen und zwei Hunde (Euro 9,- pro Hund) inkl. Saunanutzung und super reichhaltigem Frühstücksbuffet.

Hier geht es zur 4. Etappe

Hier geht es zur 3. Etappe

HIer geht es zur 2. Etappe

Hier geht es zur 1. Etappe

9 Gedanken zu „Malerweg mit Hunden – 5. Etappe

  1. Emma

    Hey,
    ich bin soeben auf deine Seite gestoßen und habe mir alle Beiträge zum Malerweg mit Hund bislang sehr aufmerksam durchgelesen! Du schreibst echt authentisch und musste zwischendurch öfter mal sehr schmunzeln 😉

    Ich wollte mir die nächsten Tage, genauer gesagt ab Donnerstag, ebenfalls den Malerweg mit Hund vornehmen – allerdings voraussichtlich nur bis zum Ende der 4. Etappe.
    Da ihr ja selbst erst vor kurzem da wart, wollte ich dir gerne ein paar Fragen stellen, hoffe du hast Zeit und Lust, diese zu beantworten!

    – Wie menschenüberfüllt war es unterwegs? Waren die meisten Menschenansammlungen eher nur bei den größeren Sehenswürdigkeiten? Oder habt ihr auch auf den „Zwischenwegen“ zwischen den größeren Sehenswürdigkeiten viele Menschen/Hunde angetroffen? An welchen Wochentagen wart ihr denn unterwegs und wie war das Wetter bei euch? Denke, das spielt in punkto Menschenmassen sicher auch eine große Rolle.

    – Kannst du mir, außer denen, die du eh bereits in deinem Blog geschrieben hast, noch spezielle Tipps geben für eine Wanderung mit Hund? Die Steige kann man ja umgehen. Sind die Umgehungswege gut ausgeschildert? (Der bei der Wolfsschlucht ja anscheinend nicht…. 😀 ) Ich bin leider etwas weniger planlustig wie du, sondern eher sehr spontan, und habe demnach noch nichtmal eine Wanderkarte… Ist eine Wanderkarte dringend notwendig? Auf den Fotos sah es bislang so aus, als wäre der Malerweg sehr gut ausgeschildert und quasi unmöglich vom Weg abzukommen. Aber das mag auch täuschen.

    Bin dir für sämtliche Tipps und Erfahrungsberichte sehr dankbar!

    Einen schönen Tag dir noch und liebe Grüße!
    Emma

    Antworten
    1. travel-dogs.de Beitragsautor

      Liebe Emma,
      Danke für die Blumen… freut mich zu hören :-).
      Grundsätzlich ist der Malerweg sehr gut ausgeschildert. Aber ohne Karte würde ich trotzdem nicht laufen. Erst mal ist es schwieriger sich bei den Umleitungen zurecht zu finden und dann kann es auch mal vorkommen (ist uns passiert), dass ein Malerweg-Schild geklaut wurde. Wir standen ganz schön doof da. Zum Glück kam ein Förster und hat uns aufgeklärt. Das scheint da öfters mal vorzukommen.
      Voll war es ledigkich auf der Bastei in Rathen. Wir waren dort an einem Sonntag bei bestem Wetter und zudem hatten 2 Bundesländer u.a. auch Sachsen grade Sommerferien. Ansonsten waren die Wege nicht stark frequentiert. Hier und da triffst du mal einen Wanderer und natürlich bei den Einkehrmöglichkeiten. Aber ich fühlte mich jetzt nicht bedrängt. Wir hatten viel Sonne und einen Tag nur Regen. Gegen den Regen haben wir uns mit so einen 1,- Euro Plastik Regencape geschützt. Schön leicht und praktisch. Leider nicht sehr umweltfreundlich(schäm). Ansonsten orientiere dich an meiner Packliste: http://travel-dogs.de/malerweg-vorbereitungen/.Dort ist auch ein Video (ich meine das war die Wolfsschlucht) zu sehen.
      Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spaß – du wirst es genießen

      Lieben Gruß
      Inga

      Antworten
    1. travel-dogs.de Beitragsautor

      Dankeschön liebe Yvonne,
      da komme ich gerne drauf zurück. Ich habe mich wirklich in diese Gegend verliebt und war bestimmt nicht zum letzten Mal da. Ich melde mich 🙂

      Lieben Gruß Inga

      Antworten
  2. Emma

    Liebe Inga,

    vielen Dank für deine schnelle und ausführliche Antwort!!
    Oh, das wundert mich gerade sehr, dass da doch recht wenige Menschen anzutreffen waren. Freut mich aber umso mehr. Da es ab Donnerstag auch (leider – oder auch nicht?) immer mal wieder regnen soll, zum Teil auch stärker, habe ich mich schon gefreut, dass dann wahrscheinlich umso weniger Menschen da sein werden. Allzu viel Trubel ist nichts für uns 😉
    Aber wenn selbst bei gutem Wetter am Wochenende und zur Ferienzeit so wenig los ist, wäre es ja doch noch eine Überlegung wert den Plan umzuschmeißen und nächste Woche bei besserem Wetter hinzufahren 🙂

    Deine Packliste werde ich mir nochmal genau anschauen!
    Die Seite hat mir auf jeden Fall echt sehr geholfen bei der ersten Orientierung zum Malerweg-planen, danke dafür!!

    Liebe Grüße,
    Emma

    Antworten
    1. travel-dogs.de Beitragsautor

      Sehr gerne 😉
      Eine Garantie, was die Besucherströme bestrifft, kann ich dir leider nicht geben. Aber wir hatten abseits der Hotspots kaum Begegnungen. Du kannst ja mal berichten, wie es bei dir so war. Würd mich freuen.
      Lieben Gruß Inga

      Antworten
  3. Anni

    Huhu Inga,
    es tut mir Leid, aber beim Lesen Deines Beitrags musste ich mehrfach lachen. Natürlich nicht, weil Du solche Qualen erlitten hast, sondern weil Du es so witzig beschrieben hast. Es ist echt mal wieder ein sehr schöner Beitrag! Ich hoffe, es geht Dir wieder besser?
    Viele Grüße
    Anni

    Ps: Meine Hüfte meldet sich auch manchmal und ich bin 34, aber sie hat auch eine kleine Fehlstellung, was das wohl begünstigt. Trotzdem mach Dir keinen Kopf, Du bist nicht alt!

    Antworten
    1. travel-dogs.de Beitragsautor

      Liebe Annie,
      das ist nett. „Du bist nicht alt“ war gestern, als ich deinen Kommentar gelesen habe, der schönste Satz des Tages 😉. Vielen Dank dafür. Mittlerweile geht es mir wieder gut. Eigentlich auch schon direkt am nächsten Tag der 6. Etappe, nachdem ich meinem Körper in Schmilka viel Ruhe gegönnt hatte. Ich werde von jetzt an genauer hinhören und ggf. mal einen Tag Pause einplanen bei der nächsten Wandertour. Ich wünsche uns beiden für die Zukunft, möglichst wenig „Hüft-Begegnungen“ der schmerzhaften Art. Lieben Gruß
      Inga

      Antworten
      1. Anni

        Sehr schön!
        Genauer hinhören und ggf. eine Pause einlegen, ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn man noch lange und viel Freude am Wandern haben möchte.
        Danke, das wünsche ich uns auch!
        Liebe Grüße
        Anni

        Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*